Ein Leserbrief von Hannes Wilhelm zum Thema Spa Aladin:


Die Sintflut aus dem Kneippbad

Es begann im Frühling des Jahres 2008.
Wer zu dieser Zeit häufig Zeitung gelesen hatte, dem musste wie auch mir damals angst und bange werden! Denn fast täglich wurden düstere Prophezeiungen abgedruckt, nach denen das Leben im Oberland, wie wir es kennen, in akuter Gefahr sei.
Doch welche epische Plage sollte denn bald über uns hereinbrechen?
Als enthusiastischer Fan aller Endzeit-Geschichten, hatte ich mich sogleich voller Entdeckungslaune an die Internet-Recherche gemacht, um mehr über diese viel versprechende Bedrohung heraus zu finden. Was sich mir dabei allerdings darbot, war nicht wirklich wie die erwartete Szenerie nach Hieronymus Bosch, sondern stark enttäuschend:
Ein Dampfbad - genannt "Aladin"!?
Dieses schien mir wenig geeignet um eine Massenpanik hervor zu rufen. Aber ich stieß schnell auf Hinweise: Es sollte ein Monsterbau mit extraterrestrischen Ausmaßen werden, der sowohl unsere wertvolle Oberbayerische Landschaft, als auch die Lebensqualität all ihrer Bewohner auf ewig zerstören würde. Diese Information klang aussichtsreich und ich forschte weiter!
Aber die Ernüchterung folgte sogleich, denn mit Hilfe eines Orakels(*) lies sich leicht herausfinden, dass die Fassade des geplanten ominösen Schreckenshauses nicht einmal größer als die eines bekannten Wolfratshauser Möbelgeschäftes sein würde. Und der Baugrund entpuppte sich nicht gerade als idyllisches Naturparadies, sondern als einstiges Kieswerk mit "Vegetation und Boden von geringer Bedeutung"(**) am Rande eines Gewerbegebietes.
Was für eine Enttäuschung!
Anlass zur Hoffnung bot dann noch die Vorhersage eines infernalen Verkehrschaos, denn Horden von tobenden Berufspendlern wären durchaus in der Lage, einem die Hölle zu bringen, wie ich dachte!
Fehlanzeige! Wieder lag das Möbelgeschäft mit der mehrfachen Automenge pro Wochenende eine gehörige Nasenlänge voraus.
Als nächstes untersuchte ich den Regie führenden Investor aus Nahost selbst: der Investor eine "Heuschrecke"?? - was würde dahinter stecken? (Untergangsszenarien mit Heuschrecken waren dort schon vor langer Zeit beobachtet worden!). Würde ich etwa einen düsteren Ölmagnaten beim Ergreifen der Weltmacht - beginnend zwischen dem Bullen von Tölz und der Münchner Freiheit - auf frischer Tat ertappen? Und in der Tat kam eine Firma namens "Abbar and Zainy" zutage, die mit "krummen" Deals Geschäfte zu machen schien: Bananenhandel auf den Philippinen!
Meine Suche nach dem Voralpenländischen Armageddon war also ein Luftschloss gewesen und damit meine Hoffnung auf Action endgültig terminiert!
Aber wie war es nur möglich gewesen, dass die kleine Gruppe Fans dieses allzu seicht und emotional inszenierten Hysterie-Schinkens "Spar Dir Aladin" so hohe Wellen schlagen konnte? Welchen Hinweis hatten sie entdeckt, der mir verborgen bleiben konnte? Diese Erkenntnis sollte sich mir einfach nicht ergründen.
Wenig später und in der Gewissheit, dass sich die Welt wohl in den gewohnten Bahnen weiter drehen würde, weil weder Dampfbad noch Möbelgeschäft eine ernsthafte Bedrohung für die Qualität meines Daseins darzustellen schienen, kehrte ich zum Abendessen zurück in die reale Welt.



Der Autor H. Wilhelm möchte aus Furcht vor Racheakten ungenannt bleiben!

(* Google Earth)
(** aus dem Umweltbericht zur Änderung des Flächennutzungsplanes)
Spa Aladin Spaladin Geretsried